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Praxisführung

ZFA-Mangel: Warum der Fachkräftemangel oft ein Führungsproblem ist

Gute ZFAs gibt es genug – sie wollen nur unter schlechten Bedingungen nicht mehr arbeiten. Dr. Nebo Stankovits erklärt, warum der ZFA-Mangel häufig hausgemacht ist.

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Kaum ein Thema beschäftigt Zahnarztpraxen in Deutschland derzeit so sehr wie der Mangel an Zahnmedizinischen Fachangestellten. In der Episode „Fachkräftemangel oder Führungsproblem?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry stellt der Gastgeber gemeinsam mit Dr. Nebo Stankovits, Zahnarztunternehmer mit Praxen in Hannover und Bremen, eine unbequeme These auf: Gute ZFAs gibt es genug – sie wollen nur unter den gebotenen Bedingungen nicht mehr arbeiten. Das Problem liege demnach häufig nicht im Markt, sondern in der Führung, in den Strukturen und in der Haltung der Praxisinhaber.

Ein Mangel, der alle Branchen betrifft

Dr. Stankovits beschreibt im Gespräch, dass der Fachkräftemangel keineswegs auf die Zahnmedizin beschränkt ist. Wer mit dem Auto eine Runde um den Block fahre, sehe auf nahezu jedem Firmenfahrzeug nicht etwa Botschaften über Qualität oder Schnelligkeit, sondern stets denselben Hinweis: „Wir suchen.“ Ob Handwerksbetrieb oder medizinische Einrichtung – alle konkurrieren um qualifiziertes Personal, und diese Entwicklung habe sich in den letzten Jahren noch verstärkt. Selbstständige müssten daher zwei Gruppen gleichermaßen überzeugen: die Patienten auf der einen und die Arbeitnehmer auf der anderen Seite – denn ohne Angestellte sei eine gewisse Größenordnung schlicht nicht erreichbar.

Wie angespannt die Lage ist, verdeutlicht eine Zahl aus seiner eigenen Praxis mit 35 Angestellten: Von 30 Bewerbungen, die in wenigen Wochen aktiver Suche eingingen, bewertete er lediglich zwei als gut. Der Mangel sei „brutal“, und er kenne keinen Zahnarzt, der sich mit dem Thema nicht beschäftige.

Das Erbe des „Helferlein“-Images

Als eine zentrale Ursache identifiziert Dr. Stankovits ein selbstgemachtes Problem der Branche. In den 1980er- und 1990er-Jahren habe das typische Praxismodell aus einem Zahnarzt mit „zweieinhalb Angestellten“ bestanden: eine ZFA im Behandlungszimmer, die gelegentlich Prophylaxe übernahm, eine Kraft am Empfang für Abrechnung und Telefon sowie eine Auszubildende, die kostengünstig mitarbeitete. Der Beruf sei dadurch wenig geschätzt worden – die Mitarbeiterinnen galten als „Helferlein“. Hinzu kamen eine lange Zeit deutlich schlechtere Vergütung und fehlende Wertschätzung; schon die umgangssprachliche Bezeichnung „Helferin“ transportiere ein Bild, das dem heutigen Berufsbild nicht gerecht werde.

Was erfahrene ZFAs tatsächlich leisten

Dem stellt Dr. Stankovits die Realität gegenüber: Erfahrene ZFAs seien längst keine Hilfskräfte mehr, sondern Arbeitnehmerinnen, die eine Praxis eigenständig organisieren können. Sie müssten sämtliche Bereiche des Praxisbetriebs abbilden – betriebswirtschaftliche Aufgaben, die Kommunikation mit den Kostenträgern, den schriftlichen und mündlichen Austausch mit Patienten, Anteile des Marketings und das Beschwerdemanagement. Hinzu komme die Vermittlerrolle zwischen Zahnarzt und Patient, denn ZFAs bauten oft ein unmittelbareres Verhältnis zu den Patienten auf als der Behandler selbst.

Im Podcastgespräch wird zudem herausgearbeitet, dass die ZFA entlang der gesamten Patient Journey deutlich mehr Berührungspunkte hat als der Zahnarzt: vom Empfang über den Anamnesebogen bis zur Terminvergabe. Konsequenterweise vertritt Dr. Stankovits die Auffassung, eine ZFA solle alles übernehmen dürfen, was im rechtlichen Rahmen zulässig ist – ausgenommen etwa die Betäubung, das Beschleifen von Zähnen oder das Einsetzen von Restaurationen. Wo Mitarbeiterinnen diese Aufgaben nicht ausüben dürfen, entstehe nachvollziehbarer Frust, denn neben der finanziellen Anerkennung fehle dann auch die Wertschätzung für die geleistete Arbeit.

Entwicklungswege als Schlüssel zur Mitarbeiterbindung

Amata, Standortleiterin der Bremer Praxis, ergänzt diese Sicht um die Perspektive der Personalentwicklung. Sie betont die Vielfalt des Berufs: Prophylaxe, Abrechnung, Praxismanagement, Fortbildungen – es gebe so viele Möglichkeiten, sich zu entfalten. Aufgabe der Praxisführung sei es, bei jedem Teammitglied herauszufinden, was es besonders gerne macht und gut kann, und diese Stärken gezielt zu fördern – etwa mit der Frage, was jemand braucht, um besser zu werden, und in welche Richtung er sich entwickeln möchte.

Dr. Stankovits selbst orientierte sich nach eigener Aussage beim Aufbau seiner ersten Praxis eher an der Struktur eines Hotels als an der bis dahin bekannten Zahnarztpraxis: mit Stehempfang, Begegnung auf Augenhöhe und einer Unterteilung in Rezeption, Frontoffice und Backoffice. Das Fazit der Episode fällt entsprechend deutlich aus: Wertschätzung, Vertrauen, klare Rahmenbedingungen und Strukturen, klare Führung, Zuhören und Augenhöhe – daran entscheidet sich, ob gute Fachkräfte kommen und vor allem, ob sie bleiben.

#ZFA #Fachkräftemangel #Mitarbeiterbindung
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #131

Fachkräftemangel oder Führungsproblem?

Gast: Dr. Nebojsa Stankovic und Amata Machner