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Praxisführung

Zwei Praxen, zwei Länder: Praxisführung zwischen Frankreich und Deutschland

Warum eine Dämmerschlaf-Regel zu zwei Standorten führte und wie unterschiedlich Teams in Frankreich und Deutschland arbeiten dürfen: Einblicke aus der Praxis von Dr. Roman d'Olive.

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Vom Studium in Frankreich in die deutsche Oralchirurgie

Dr. Roman d'Olive, geboren in Marseille, hat in Frankreich studiert und 2008 promoviert. Weil es in seinem Heimatland keine richtige oralchirurgische Weiterbildung gab, hospitierte er zunächst bei dem Chirurgen Jean-Pierre Gardella in Marseille und kam über einen EAO-Kongress in Monaco auf Professor Fouad Khoury – bei dem er schließlich sechs Jahre in Olsberg im Sauerland arbeitete. Für die deutsche Approbation musste er zunächst Deutsch auf B2-Niveau lernen; im ersten Jahr durfte er nichts am Patienten machen und nahm die Operationen vom Hocker aus auf. Nach Olsberg zog es ihn in die Schweiz, sein Traumland mit Bergen – doch das dortige Behandlungsmodell empfand er als schwierig für die Patienten: Alle sind Selbstzahler, und man müsse manchmal wegen des Geldes Nein sagen. Mit den Systemen in Deutschland und Frankreich habe man dagegen häufig viel Glück. Nach zwei Jahren bei einem weiteren Khoury-Schüler in Gütersloh führte ihn das Heimweh in die Grenzregion: Freiburg wurde zur Wahlheimat.

Zwei Standorte wegen einer Regel: der Dämmerschlaf

2018 gründete d'Olive eine Praxis im französischen Mulhouse neu. Dann die Feststellung: Dämmerschlaf darf in Frankreich grundsätzlich nicht in Privatkliniken oder Privatpraxen angeboten werden, sondern nur in staatlichen Einrichtungen und Krankenhäusern. Seine Antwort auf diese Regel war eine zweite Praxis im badischen Neuenburg am Rhein, nur 15 Minuten von Mulhouse entfernt. Das Geschäftsmodell, das er im Podcast Queens & Sons of Dentistry beschreibt, ist einfach: Wer die Behandlung im Dämmerschlaf wünscht, kommt nach Neuenburg – und das Behandlungskonzept lässt sich über beide Standorte hinweg weiterführen. Die französische Praxis ist mit 150 Quadratmetern nach dortigen Maßstäben bereits eine ordentliche Größe, auch wenn deutsche Praxen oft anders dimensioniert sind.

Reine Überweiserpraxis mit klarem OP-Fokus

Beide Standorte arbeiten fast ausschließlich in Überweiserstruktur; die übrigen Patienten kommen über Empfehlungen. Rund 30 Prozent der Patienten erreichen die Praxis heute über Mund-zu-Mund-Propaganda – für d'Olive ein erfreulicher Anteil, weil daraus eine andere Beziehung zu den Patienten entsteht. Das Spektrum ist rein operativ; die Prophylaxe und die weitere Versorgung übernehmen die überweisenden Kollegen. Eine Ausnahme macht d'Olive bei umfangreichen Full-Arch-Fällen: Weil französische Kollegen bei großen Versorgungen mitunter zurückhaltend sind, übernimmt sein Team gelegentlich auch den prothetischen Teil – vielleicht zehnmal im Jahr, wie er schätzt. Diese Abwechslung mache viel Spaß und sei gut fürs Gehirn, denn man wachse an neuen Aufgaben.

Teamstrukturen: Frankreich und Deutschland im Vergleich

Besonders aufschlussreich ist d'Olives Blick auf die Teamstrukturen beider Länder. In Frankreich ist der Standard ein Zahnarzt mit zwei Helferinnen – mehr nicht. Die Assistenz darf dort fast nichts eigenständig übernehmen: keine Provisorien anfertigen, keine Abdrücke nehmen, keine Röntgenbilder erstellen – „die dürfen wirklich nur saugen“, wie er es zuspitzt. In Deutschland ist die Delegation an qualifizierte Mitarbeiter dagegen möglich, was er als riesige Erleichterung beschreibt: Er kann von Operation zu Operation gehen, die Zeit ist besser eingesetzt, und es lassen sich mehr Mitarbeiter anstellen, die den Behandler entlasten. Das Ergebnis sei mehr Lebensqualität an der Arbeit, die Konzentration auf die eigene Kernkompetenz – und ein Vorteil für die Patienten, die vom Team ganz anders betreut werden.

Wachstum, Nachwuchs und die Digitalfrage

In Deutschland ist d'Olive derzeit der einzige Behandler; in Frankreich arbeitet er mit einem Juniorpartner, und zwei junge Kollegen kommen regelmäßig zum Hospitieren. Eine Oralchirurgin stößt hinzu, im Oktober kommen zwei weitere Franzosen – ein „Full House“, wie er ankündigt. Zum Schluss bleibt die im Gespräch aufgeworfene Frage, warum die Nachbarländer digital affiner wirken als Deutschland. D'Olive verweist auf zwei Punkte: Zum einen sei der Anfang mit digitalen Werkzeugen undankbar, die Praxis müsse für die Umstellung praktisch pausieren, und nicht jeder wolle First Mover sein. Zum anderen sei minimalinvasives, digital geplantes Arbeiten in Frankreich schlicht dringlicher, weil Privatpraxen dort keinen Dämmerschlaf anbieten dürfen und es deshalb keine andere Wahl gibt. Sein grenzüberschreitendes Modell verbindet am Ende die Stärken beider Systeme.

#Überweiserpraxis #Ländervergleich #Praxisführung
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #132

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