Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Chirurgie & Implantologie

Navigierte Implantologie: Was der Einstieg an Geld, Zeit und Nerven kostet

30.000 bis 40.000 Euro für das System, ein voller Tag Einarbeitung und eine anfangs kontraproduktive Phase: Dr. Roman d'Olive beziffert den Einstieg in die Navigation ehrlich.

Veröffentlicht am

Zeit als wichtigste Ressource

Wenn über den Einstieg in die computergestützte Implantologie gesprochen wird, fällt der Blick meist zuerst auf die Gerätepreise. Der Zahnarzt und Oralchirurg Dr. Roman d'Olive setzt im Podcast Queens & Sons of Dentistry einen anderen Akzent: Zahnärzte seien insgesamt gut situiert – die wirklich knappe Ressource sei die Zeit, von der jeder nur eine gewisse Menge hat. Gerade der Anfang seiner digitalen Umstellung vor rund zehn Jahren war ausgesprochen zeitintensiv: viel Aufwand für die Planung und eine mühsame Datenübertragung zwischen den einzelnen Systemkomponenten, die damals noch per Stick „von rechts nach links“ erfolgte, weil die Brücken zwischen den Elementen schlicht fehlten. Heute sei vieles cloudbasiert und deutlich besser – nicht perfekt, aber viel besser.

Die Investition in Zahlen

Konkrete Größenordnungen nennt d'Olive ebenfalls. Ein Navigationssystem wie das Falcon liege in Deutschland bei etwa 30.000 bis 40.000 Euro – viel Geld, wie er einräumt, zumal die Anschaffung zunächst einen Zeitverlust bedeutet. Formale Fortbildungen hat er selbst kaum besucht, weil er früh dran war und es damals kaum Angebote gab; beim Falcon wurde er vom Umfeld des Herstellers unterstützt. Beim Navident-System sei die Realität dagegen ernüchternd gewesen: Das Gerät wurde geliefert, viel mehr Anleitung gab es nicht. Mindestens einen guten ganzen Tag müsse man investieren, um das System zu verstehen – wozu die Marker dienen, wie die Komponenten zusammenspielen, wie Updates laufen. Auch für die erste Operation ist zusätzliche Zeit einzuplanen, denn sie läuft spürbar langsamer.

Warum der Anfang „undankbar“ ist

D'Olive beschreibt den Einstieg ins Digitale als „super undankbar und schwierig“. Die Freihandtechnik funktioniere schließlich – nicht perfekt, vielleicht einen Millimeter zu weit rechts oder links, aber sie funktioniere. Für die Umstellung müsse die Praxis dagegen für einen Moment in den Pausenmodus: Systeme zusammenstellen, kalibrieren, Anfangsprobleme lösen, Updates einspielen. Genau darin sieht er auch eine Erklärung, warum viele Kollegen zögern und niemand gern First Mover sein will. Und er warnt vor der falschen Motivation: Er habe die Technologie nie eingeführt, um produktiver zu sein oder mehr verdienen zu können – das dürfe auf keinen Fall das Ziel sein, denn am Anfang sei ein solches Gerät schlicht kontraproduktiv. Das Geld komme ohnehin, wenn man arbeitet.

Schrittweise statt alles auf einmal

Seinen eigenen größten Fehler benennt d'Olive offen: Nach dem Impuls seines Bruders kaufte er alles auf einmal – Scanner, den ersten Drucker, eine neue Kamera und weitere Geräte. „Eine Menge Geld“, und vor allem zu viel gleichzeitig, denn so bleibt unklar, wie die einzelnen Bausteine funktionieren. Seine Empfehlung lautet deshalb: Schritt für Schritt. Wer als Einsteiger in die digitale Welt gleichzeitig Kamera, Navigationssystem und Planungssoftware wie coDiagnostiX anschafft, habe keine Chance. Sinnvoller sei es, zunächst selbst mit der Planungssoftware zu arbeiten und einfache Dinge einfach zu halten. Selbst zu planen hält er auch dann für unverzichtbar, wenn es gute Planungsdienstleister gibt: Wer delegiert, müsse trotzdem wissen, wie es geht und wie man es macht.

Was die Investition zurückgibt

Warum sich der Aufwand aus seiner Sicht dennoch lohnt, bringt d'Olive auf eine einfache Formel: Es mache einen schlicht zu einem besseren Zahnarzt. Das System wirke wie ein Feedback- und Reflexionsmodul, das nach dem Eingriff unbestechlich zeigt, wie gut oder wie schlecht gearbeitet wurde. Hinzu komme die Freude an der Arbeit: aufstehen und Lust auf eine anspruchsvolle Operation haben, planen, operieren – und am Ende sieht das Ergebnis genauso aus wie geplant. Für Behandler und Patienten sei das gleichermaßen ein Gewinn. Als wichtigsten fachlichen Punkt nennt er die Prothetik: „Mein Boss ist mein Zahntechniker“, sagt er im Gespräch. Wenn der Techniker vorgibt, wo der Zahn stehen muss, sei dem prothetischen Plan zu folgen – sonst leidet am Ende die Ästhetik oder die Reinigungsfähigkeit der Versorgung. Die Konsequenz in seiner eigenen Praxis ist eindeutig: Kein Full-Arch-Fall wird heute mehr ohne Navigation operiert, und zwar lieber navigiert als mit statischer Schablone.

#Investition #Digitalisierung #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #132

Computergestützt implantieren: Spielerei oder Zukunft?

Gast: Dr. Romain Doliveux