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Chirurgie & Implantologie

Vom Freihand-Implantieren zur Navigation: Der Weg eines Oralchirurgen

Sechs Jahre Ausbildung bei Professor Khoury, ein ernüchternder Blick aufs OPG und ein Impuls aus Harvard: Wie Dr. Roman d'Olive den Schritt zur navigierten Implantologie fand.

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Sechs Jahre Schule bei Professor Khoury

Dr. Roman d'Olive, Zahnarzt und Oralchirurg mit Praxen in Mulhouse und Neuenburg am Rhein, hat in Frankreich studiert und 2008 promoviert. Weil es dort keine strukturierte oralchirurgische Weiterbildung gab, ging er zunächst zum Hospitieren zu dem renommierten Chirurgen Jean-Pierre Gardella nach Marseille, der ihn zu einem EAO-Kongress nach Monaco mitnahm. Dort erlebte er Professor Fouad Khoury auf der Bühne und hielt das Gezeigte zunächst für unerreichbar – er fürchtete, dafür noch einmal studieren zu müssen, bis ihm jemand sagte, Khoury sei Zahnarzt. Über Kontakte, unter anderem zu Pierre Keller aus Straßburg, wurde er schließlich Assistenzarzt bei Professor Khoury in Olsberg – und blieb sechs Jahre. Im Podcast Queens & Sons of Dentistry erzählt er, dass er im ersten Jahr mangels deutscher Approbation nichts am Patienten machen durfte: Ein Jahr lang stand er auf einem Hocker und nahm die Operationen auf, während er sein Deutsch auf das geforderte Niveau brachte.

Eine lange Lernkurve bis zur Sicherheit

Die chirurgische Ausbildung bei Khoury folgte einer festen Reihenfolge. Am Anfang stand der apikale Verschiebelappen; d'Olive beschreibt offen, dass er dabei zunächst „super schlecht“ war und zum Üben an den Schweinekiefer zurückgeschickt wurde – eine Erfahrung, bei der man sich ganz klein fühle. Der nächste große Schritt war die Knochenblockentnahme, ein Eingriff, bei dem sich das Gefühl von Sicherheit lange nicht einstellt. Die Implantation selbst kam erst ganz am Ende, denn bei Khoury zählte vor allem die Position des Implantats: die Abstände zu Nachbarzähnen und Nachbarimplantaten, die Tiefe, das geschulte Auge. Kritik gab es reichlich – aus Sicht von d'Olive zu Recht; wer nicht exakt gearbeitet hatte, musste zurück in den OP. Sein Fazit: Erst am Ende der sechs Jahre fühlte er sich bei der Freihandimplantation komplexer Fälle wirklich sicher, beim Einzelimplantat ging es schneller.

Der Wendepunkt: Wenn die Prothetik nicht passt

Der Anstoß zum Umdenken kam über die Prothetik. Bei kompletten Full-Arch-Versorgungen gab es damals noch keine Druckmöglichkeiten; das Provisorium wurde vorbereitet und im Mund mit den Implantataufbauten verbunden oder abgeformt. Stand ein Implantat nicht exakt in der vorgesehenen Position, wurde das Verbinden zum riesigen, komplizierten Aufwand. D'Olive schildert den ernüchternden Moment: Er glaubte, perfekt implantiert zu haben – und sah dann auf dem OPG, dass das Ergebnis „Käse“ war. Sein Gedanke: Das muss anders gehen, und zwar digital. In Frankreich sei die Digitalisierung ohnehin ein Stück voraus, weil dort in Privatpraxen kein Dämmerschlaf angeboten werden darf und minimalinvasives Arbeiten deshalb noch dringlicher ist als in Deutschland.

Der Impuls aus Harvard – und der Fehlkauf

Den entscheidenden Schub gab sein Bruder Simon, ebenfalls Zahnarzt, der ein dreijähriges, extrem digital ausgerichtetes Programm in Harvard absolvierte. Im ständigen Austausch drängte er: So könne man nicht weiterarbeiten – eine Kamera anschaffen oder das Labor die Abdrücke digitalisieren lassen, eine Bohrschablone sei inzwischen einfach zu erstellen. Bei d'Olive machte es „Klick“ – und er beging einen Fehler, den er heute offen erzählt: Er kaufte alles auf einmal. Scanner, den ersten Drucker, eine neue Kamera und mehr – „eine Menge Geld“, und vor allem zu viel auf einmal, denn so lässt sich nicht nachvollziehen, wie die einzelnen Systeme funktionieren. Von diesem Vorgehen rät er ausdrücklich ab.

Erste Fälle zwischen Erfolg und Katastrophe

Sein erster navigierter Fall mit dem Navident-System verlief gut: ein Sechser im Unterkiefer, genügend Knochen, keine Komplexität – ehrlicherweise, so d'Olive, hätte er das Gerät dafür gar nicht gebraucht. Die Planung erfolgte direkt am Bildschirm, dann ein DVT mit Marker im Mund, anschließend der Eingriff. Ungewohnt war die Arbeitsweise: den Kopf nicht zwischen Kamera und Marker bringen und während der Bohrung auf den Bildschirm statt in den Mund schauen. Der zweite Fall, ein kompletter Full Arch, wurde dagegen zur „Katastrophe“: Der Referenzhelm am Kopf des Patienten verrutschte leicht, damit war die Referenz verloren – dazu kam die Anspannung eines für Behandler und Team völlig neuen Verfahrens. D'Olive nahm alles heraus und implantierte freihändig weiter.

Der Rubikon: kein Weg zurück

Den Moment ohne Rückkehr beschreibt er im Podcast mit dem Bild des Rubikon – des Flusses, dessen Überquerung durch Caesar unumkehrbar war. Für ihn kam dieser Moment mit der Kombination aus Sofortimplantation, augmentiertem Knochen und dem Anspruch auf hohe Primärstabilität: Als klar war, dass navigiertes Arbeiten laut Literatur genauso präzise ist wie die statische Schablone, dabei aber das taktile Gefühl für Knochen und Gewebe erhalten bleibt, gab es kein Zurück mehr. Heute wird in seiner Praxis kein einziger Full-Arch-Fall mehr ohne Navigation operiert. Die Grundlage bleibt für ihn dennoch bestehen: Freihand operieren zu können ist Voraussetzung – wenn das System nicht mehr zur Realität passt oder der Computer abstürzt, heißt es Kamera ab und freihändig weiter.

#Navigation #Erfahrungsbericht #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #132

Computergestützt implantieren: Spielerei oder Zukunft?

Gast: Dr. Romain Doliveux