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Team & Kommunikation

Wertschätzung in der Zahnarztpraxis: mehr als Gehalt und Obstkorb

Vom täglichen Begrüßen bis zur Schichtbesprechung: Dr. Nebo Stankovits und Standortleiterin Amata zeigen, wie Wertschätzung im Praxisalltag konkret gelebt wird.

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Wenn über Mitarbeiterbindung in Zahnarztpraxen gesprochen wird, fällt schnell das Schlagwort Wertschätzung – häufig verbunden mit dem sprichwörtlichen Obstkorb. Doch was bedeutet Wertschätzung konkret im Praxisalltag? In der Episode „Fachkräftemangel oder Führungsproblem?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry geben Dr. Nebo Stankovits, Zahnarztunternehmer mit Standorten in Hannover und Bremen, und Amata, Standortleiterin in Bremen, bemerkenswert konkrete Antworten.

Geld ist Grundlage – aber kein Bindungsfaktor

Die Bedeutung des Gehalts stellt Dr. Stankovits nicht in Abrede: Geld sei sehr wichtig und grundlegend – so wie Patienten gute Zahnmedizin schlicht erwarten. Zugleich beschreibt er die Vergütung als zweischneidiges Schwert. Einerseits wolle er, dass seine Mitarbeiter sehr gut verdienen. Andererseits wolle niemand „Söldner“ im Team haben – Beschäftigte, die wegen 100 Euro mehr sofort zum Zahnarzt zwei Straßen weiter wechseln. Geld dürfe wichtig sein, aber nicht der wichtigste Punkt. Umgekehrt gelte: Wer nur die günstigsten Mitarbeiter haben wolle, bekomme meist nicht diejenigen, die so leisten, wie man es sich wünscht. Gute Getränke, Kaffeespezialitäten und der Obstkorb seien in seinen Praxen ohnehin selbstverständlich.

Wertschätzung wird gefordert – aber selten definiert

Aufschlussreich ist eine Beobachtung aus Bewerbungsgesprächen, die Dr. Stankovits schildert: Fragt er wechselwillige ZFAs, warum sie ihre bisherige Stelle verlassen möchten, laute die Antwort häufig, die Wertschätzung habe gefehlt. Auf die Nachfrage, wie sie Wertschätzung denn definieren, könne das jedoch kaum jemand konkret beantworten. Manche Kollegen wiederum verkürzten das Thema auf die Formel, das Gehalt sei ja die vereinbarte Wertschätzung. Beides greife zu kurz. Wertschätzung heiße vielmehr: sich unterhalten, aktiv zuhören, jede einzelne Person im Team wahrnehmen – und die eigene Erwartungshaltung klar definieren, damit jeder weiß, was als gut gilt.

Rituale, die Wertschätzung sichtbar machen

Im Podcast beschreibt Dr. Stankovits eine Reihe fester Routinen. Dazu gehört die tägliche Schichtbesprechung, in der das Team die Patienten durchgeht: Wer kommt, was wird gemacht, was ist vorzubereiten, wie sieht ein reibungsloser Ablauf aus. Ebenso gehört dazu, jeden einzelnen Mitarbeiter zu Schichtbeginn zu begrüßen und sich beim Gehen persönlich zu verabschieden – Kleinigkeiten, die nach seiner Erfahrung viel ausmachen. Lob solle ausgesprochen werden, wenn etwas gut gelaufen ist, und zwar zeitnah: In der wöchentlichen Teambesprechung und Teamleiterbesprechung werden Probleme ebenso angesprochen wie Positives – wer nur Negatives thematisiere, mache daraus eine „ätzende Veranstaltung“. Mit Feedback bis zum Mitarbeitergespräch in einem halben Jahr zu warten, hält er für falsch. Zudem sei er selbst jederzeit erreichbar, ob per Nachricht, Anruf oder direkt im Büro.

Vorbild sein und keine Abteilung über die andere stellen

Wertschätzung zeigt sich für Dr. Stankovits auch in Gesten: Bringt ihm jemand einen Espresso, sei das „eine 12 von 10“ – und selbstverständlich frage er auch selbst, wer einen Kaffee möchte. Gerät ein Behandlungsteam in Zeitverzug, werde mit angepackt und etwa das nächste Zimmer vorbereitet. Wichtig sei außerdem, die Abteilungen nicht gegeneinander zu werten: Ob Empfang, Assistenz, Prophylaxe oder Zahnärzte – es gehe allein darum, was sinnvoll ist und wer welche Aufgabe übernimmt. Bei der Eröffnung des Bremer Standorts stand er nach eigener Schilderung selbst am Empfang, begrüßte Patienten und übernahm zwischendurch Prophylaxebehandlungen. Niemand dürfe sich für Aufgaben zu schade sein – als Beispiel erzählt er von einem Papierschnipsel auf einem Parkplatz, den er im Beisein eines Managers ganz selbstverständlich selbst aufhob. Menschen dürften zudem nie danach bewertet werden, wie viel Geld sie haben oder was sie im Leben erreicht haben – Begegnung finde immer auf Augenhöhe statt.

Keine Einbahnstraße

Amata ergänzt, dass gerade langjährig gute Leistungen nicht zur Selbstverständlichkeit werden dürften: Auch wenn ein Team dauerhaft Vollgas gebe, müsse diese Leistung jeden Tag wertgeschätzt und kommuniziert werden. Und schließlich betont Dr. Stankovits, dass Wertschätzung keine Einbahnstraße ist: Auch als Chef wünsche er sich Feedback und gelegentlich ein Lob aus dem Team – etwa wenn ein Problem gut gelöst wurde. Genau dieser wechselseitige Austausch stelle die vielzitierte Augenhöhe erst her.

#Wertschätzung #Teamkultur #Mitarbeiterbindung
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #131

Fachkräftemangel oder Führungsproblem?

Gast: Dr. Nebojsa Stankovic und Amata Machner