Wenn zwei Generationen gemeinsam ein Unternehmen führen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wer welche Themen verantwortet. Beim Fortbildungsunternehmen IFG, dem Veranstalter des Dental Summer am Timmendorfer Strand, ist die Antwort klar verteilt: Gründer Wilhelm Hakim hält die Organisation der etablierten Veranstaltungen in der Hand, sein 20-jähriger Sohn Chris treibt Social Media, digitale Produkte und neue Formate voran. In der Episode „Wie übergibt man ein Lebenswerk?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry beschreiben beide, wie diese Arbeitsteilung entstanden ist – und warum sie funktioniert.
Klare Aufgabenteilung zwischen den Generationen
Chris Hakim bringt nach eigener Einschätzung vor allem Ideen ein, die sein Vater zwar nicht ablehnt, aber selbst nicht mehr umgesetzt hätte. Das Thema Social Media ist dafür das beste Beispiel: Der Vater freue sich zwar über jeden neuen Follower-Rekord, habe aber offen gesagt, auf Reels und ähnliche Formate „nicht so Bock“ zu haben – das solle der Sohn machen. Genau hier sieht Chris seinen Vorteil: Er ist mit diesen Plattformen aufgewachsen, konsumiert die Inhalte selbst und entwickelt daraus ein Gespür dafür, welche Idee viral gehen könnte. Der Vater fasst die Rollenverteilung mit einem Bild zusammen: Er selbst habe die große Autobahn gebaut, Chris finde die Abkürzungen – der eine sei eher dem Bewährten verbunden, der andere eher dem Neuen aufgeschlossen, und genau diese Schnittmenge ergänze sich hervorragend.
Freiheit als Voraussetzung für Reichweite
Damit Inhalte tatsächlich Reichweite erzielen, braucht es nach Chris Hakims Überzeugung vor allem eines: Freiheit für Innovation. Er beschreibt im Podcast konkret, was das bedeutet – etwa die Möglichkeit, kurzfristig einen Mitarbeiter für zwei Tage einzuplanen, um Reels zu produzieren, die viral gehen können, statt jede Entscheidung durch lange Abstimmungen zu führen. Auch bei der Gestaltung der Website beansprucht er diesen Freiraum: Mit den alten Inhalten allein lasse sich kein moderner Auftritt bauen. Wie unterschiedlich die Generationen hier denken, zeigt der Anlass des Projekts: Aus Sicht des Vaters funktionierte die sechs Jahre alte Website einwandfrei; der Sohn hielt entgegen, dass darüber viele Interessenten verloren gehen. Das Ergebnis: Für mehrere zehntausend Euro entsteht nun eine neue Website, die Chris nach eigenen Vorstellungen gestalten darf.
Digitale Produkte und Formate für die junge Zielgruppe
Über die Kanalpflege hinaus verantwortet Chris Hakim zunehmend eigene Produkte. Vor rund anderthalb Jahren hat er gemeinsam mit seinem Vater einen Online-Kurs zum Thema Social Media auf den Weg gebracht, dessen Vertrieb er komplett begleitet – er bezeichnet ihn als seinen Kurs. Auch bei einer weiteren Kooperation übernimmt er die Vertriebsbegleitung. Dazu kommt ein neues Veranstaltungsformat: der Dental Winter, der in diesem Jahr erstmals stattfand und sich gezielt an jüngere Teilnehmer richtet. Seine Zielgruppe beschreibt Chris präzise – Absolventinnen und Absolventen, die gerade von der Universität kommen und in die Praxen gehen. Das Umfeld dafür ist groß: Die IFG erreicht heute rund 16.000 Seminarteilnehmer pro Jahr, in Online- wie in Präsenzformaten.
Digital ja – aber das persönliche Treffen bleibt
Bei aller Digitalisierung ziehen Vater und Sohn im Podcast eine klare Grenze. Obwohl sich in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Online-Formaten theoretisch alle digital sehen könnten, wollten sich die Menschen weiterhin persönlich treffen. Wilhelm Hakim erinnert daran, wie sehr die Teilnehmer nach der Corona-Zeit den direkten Austausch vermisst haben, und wünscht sich, dass das persönliche Zusammentreffen – Netzwerken, Gespräche, gemeinsames Feiern – auch in 20 Jahren noch genauso wichtig ist. Chris Hakim formuliert dasselbe Ziel für die Zukunft der Veranstaltungen: wachsen, ohne die eigenen Werte zu verlieren, und den besonderen Geist des Formats bewahren. Social Media ist in diesem Verständnis kein Ersatz für Begegnung, sondern der Weg, die nächste Generation überhaupt erst zu erreichen – aufgebaut auf dem Fundament, das die Generation davor gelegt hat.