Wer heute in die navigierte Implantologie einsteigt, trifft in Europa im Wesentlichen auf drei dynamische Navigationssysteme: Falcon, Navident und X-Nav. In der dritten Folge der Podcast-Trilogie zur computergestützten Implantologie von Queens & Sons of Dentistry berichtet ein Implantologe, der alle drei Systeme parallel in seiner Praxis betreibt, ungewöhnlich offen über deren Stärken, Schwächen und Einsatzprofile – und darüber, worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt.
Drei Systeme, drei Einsatzprofile
Das Falcon-System nutzt der Behandler nach eigener Aussage heute vor allem für begrenzte Situationen, etwa drei bis vier Implantate oder einen halben Kiefer. Der Grund liegt in der Kameraführung: Ändert sich die Position des Geräts oder der Marker, muss die Kamera gedreht werden – bei Full-Arch-Versorgungen kann das zu komplizierten Situationen führen. Im Gegenzug lässt sich das Gerät im Praxisalltag deutlich leichter bewegen und bedienen als die stationäre Konkurrenz.
Navident war das erste Navigationssystem des Implantologen. Ausschlaggebend für den Kauf war die Möglichkeit, Instrumente mit einem Piezogerät zu verbinden und so eine navigierte Knochenentnahme durchzuführen – ein Baustein seiner Vision eines computergestützten Knochenaufbaus, weshalb das System bis heute im Einsatz ist. Bei der Hardwarequalität sieht er Navident allerdings ein Stück hinter den beiden Wettbewerbern: Die Komponenten seien etwas beweglich, was sich auf die Qualität der Übertragung während des Eingriffs und damit auf die Genauigkeit auswirke.
X-Nav ist für den Behandler softwareseitig und während der Operation derzeit das beste System, insbesondere bei umfangreichen Full-Arch-Fällen. Als Riesenvorteil beschreibt er den Sensor über dem Kopf, der während des gesamten Eingriffs alles sieht. Der Nachteil ist die Baugröße: Die Einheit ist sehr groß und hoch, steht stationär in einem Raum und eignet sich kaum dafür, für zwei oder drei Implantate durch die Praxis bewegt zu werden. Für Full Arch bezeichnet er das System dennoch als den heutigen Standard.
Das Software-Ranking eines Anwenders
Bei der Software sieht der Implantologe X-Nav auf Platz eins: Bildgebung und Qualität der Navigation seien schön gelöst, zudem verfüge der Hersteller über viel Erfahrung. Auf Platz zwei folgt Falcon – an dessen Weiterentwicklung er nach eigenen Angaben in kleinem Rahmen mitgewirkt hat. Dort habe sich extrem viel getan; die Software sei in der alltäglichen Arbeit inzwischen einfach umzusetzen. Navident landet auf Rang drei: Erlebnis und Interface seien etwas weniger ausgereift als bei den beiden anderen Systemen.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Nach drei Jahren Erfahrung mit allen drei Systemen nennt der Behandler im Gespräch klare Kriterien. An erster Stelle steht die Hardwarequalität: Bewegt sich während der Operation etwas am System, stimmt die gesamte Übertragung nicht mehr – der Chirurg verliert die Kontrolle. An zweiter Stelle folgt die Handhabung während des Eingriffs: Stört die Kameraposition? Sitzt der Sensor über dem Kopf oder am Mikromotor? Lässt sich bequem von rechts, links, vor oder hinter dem Patienten arbeiten? Ein System, das von oben über den Behandler blickt, sieht er hier im Vorteil. Als drittes Kriterium nennt er – durchaus ernst gemeint – den Spaßfaktor: Ein solches System werde nicht primär gekauft, um produktiver zu sein; Gerät und Interface müssten Freude bereiten, ähnlich wie ein gutes Navigationssystem im Auto.
Hinzu kommt die Kompatibilität der einzelnen Bestandteile. Wichtig sei ein durchgängiger Weg von der Planungssoftware bis zum Implantat, ohne komplizierte Schnittstellen und USB-Sticks – realistisch nur, wenn ein Anbieter die gesamte Kette in der Hand hat. Beim Falcon-System sei das anfangs eine Katastrophe gewesen; inzwischen laufe fast alles durchgängig bis zum 3D-Drucker. Die geschlossene Kette von Smilecloud über die AXS-Cloud bis zum Printer arbeite sehr zuverlässig. Auch der technische Support spielt eine Rolle: Der Implantologe schätzt es, neue Systeme zunächst in Ruhe selbst zu erkunden – etwa mit einem Übungsmodell mit Markern, wie es Navident anbot und inzwischen auch Falcon bereitstellt. Stürzt ein System jedoch ab, was selten vorkomme, sei eine erreichbare Hotline umso wichtiger.
Wohin sich die Systeme entwickeln
Alle drei Systeme sind nach Einschätzung des Behandlers in Bewegung. Beim Falcon-System sei ein Punkt erreicht, an dem viel passieren könne – was Straumann daraus macht, bleibe abzuwarten. Bei X-Nav werde an einem Roboterarm gearbeitet, der an der Decke montiert wird und semiautomatisches Implantieren ermöglichen soll: Der Roboter verhindert dabei falsche Bewegungen. Navident wiederum stamme von einer kleinen, extrem innovativen kanadischen Firma, die ständig Neues anbiete – nicht immer gelungen, aber mitunter mit richtig guten Ideen.
Spannend sei zudem der Blick über Europa hinaus: Vor allem in asiatischen Ländern passiere derzeit sehr viel. Dort existierten nahezu identische Kopien von Falcon und X-Nav; da die dortigen Anbieter nicht denselben Regularien wie MDR und FDA unterliegen, könnten sie schneller entwickeln. Wer sich ein Bild vom nächsten Entwicklungsschritt machen wolle, so der Hinweis im Podcast, könne sich diese Systeme etwa in Bangkok ansehen.
Fazit: kein System für alle Fälle
Ein Universalsystem gibt es demnach nicht: Die Wahl hängt vom Behandlungsspektrum ab – vom mobilen, alltagstauglichen Falcon für überschaubare Eingriffe bis zum stationären X-Nav für die umfangreiche Full-Arch-Versorgung. Wer Hardwarequalität, Handhabung im Eingriff, geschlossene Systemkette und Support strukturiert vergleicht, findet das Gerät, das zur eigenen Praxis passt.