Computergestützte Implantologie klingt attraktiv – doch wie kommt sie konkret in die Praxis? Genau dieser Frage widmet sich die dritte Folge der Trilogie zur computergestützten Implantologie im Podcast Queens & Sons of Dentistry. Ein Implantologe, der drei dynamische Navigationssysteme parallel betreibt, beschreibt darin Schritt für Schritt, wie der Einstieg gelingt – vom ersten Fall über die Grundausstattung bis zu den typischen Anfängerfehlern.
Der ideale erste Fall: bewusst einfach
Für den Start empfiehlt der Behandler einen Sechser im Ober- oder Unterkiefer: viel Knochen, viel Gewebe, kein großes Risiko – eine Situation, in der man sich auch freihändig gut zurechtfinden würde. Das klingt zunächst paradox, denn ausgerechnet beim Einzelzahnimplantat scheint sich der Aufwand kaum zu lohnen. Doch genau darin liegt die Logik: Am Anfang ist das neue Navigationssystem selbst der eigentliche Stressfaktor des Eingriffs. Wer es in einer Operation einsetzt, die chirurgisch keine Herausforderung darstellt, kann sich in Ruhe mit den Abläufen vertraut machen. Komplizierte Situationen oder gar Full-Arch-Fälle sind für den Einstieg ausdrücklich tabu.
Grundausstattung: was wirklich nötig ist
Zur unverzichtbaren Basis zählt der Implantologe ein DVT sowie eine Kamera für Patientenfotos – wobei er einschränkt, dass heute auch ein iPhone genügt, sofern keine Vorträge geplant sind. Die künstliche Intelligenz hinter Smilecloud korrigiere Smartphone-Fotos inzwischen so, dass sie zum Smile Design passen – vor sechs, sieben Jahren sei das noch undenkbar gewesen.
Beim Intraoralscanner differenziert er: Zwingend notwendig ist er nicht. Auch mit einem Alginatabdruck, den das Labor digitalisiert, lässt sich arbeiten – so hat seine Praxis selbst angefangen. Wegen des Hin und Her zwischen Praxis und Labor sei das allerdings nicht ideal: Man könne theoretisch sehr digital arbeiten und dabei fast kein einziges Tool besitzen – möglich sei das, praktisch nicht. Deshalb lautet seine klare Empfehlung, in einen Intraoralscanner zu investieren: Er sei die Eintrittstür in die digitale Welt. Der Markt biete heute sehr gute Geräte, die zwar nicht günstig, aber preiswert seien – das teuerste Modell müsse es nicht mehr sein. Als Beispiel nennt er den X3 von Straumann, der zugleich den Zugang zur AXS-Cloud öffnet, aus der sich weitere Türen ergeben: Planungssoftware, Smilecloud, Smile Box und das Falcon-System.
Die richtige Reihenfolge der Investitionen
Den klassischen Anfängerfehler hat der Podcast-Gast nach eigenen Worten selbst begangen: alles auf einmal zusammenzukaufen. Seine Empfehlung heute: erst der Intraoralscanner, dann die Planungssoftware, erst danach das Navigationssystem. Wer noch keinen Scanner besitzt, sollte nicht mit dem Kauf eines Falcon oder Navident beginnen.
Auch bei der Planungssoftware rät er zu einem schrittweisen Vorgehen. coDiagnostiX etwa lasse sich einen Monat lang testen, statt es wie früher dauerhaft kaufen zu müssen – so entsteht Vertrautheit mit dem System, bevor Geld gebunden wird. Die eigene Planungskompetenz hält er für zentral: Wer Fälle später an externe Dienstleister auslagert, müsse einschätzen können, wie das Implantat geplant wurde – und dafür brauche es eine Vorstellung davon, wie die Software funktioniert und wie schwierig eine Planung mitunter ist. Wem das Planen anfangs Stress bereitet, dem empfiehlt er, sich mit dem Zahntechniker seines Vertrauens zusammenzusetzen und Fälle gemeinsam langsam zu planen – Zahntechniker seien oft deutlich digital versierter als Zahnmediziner.
Statisch geführt oder dynamisch navigiert?
Für Einsteiger in die Implantologie empfiehlt der Behandler die statische geführte Chirurgie mit voll geführter Bohrschablone. Wer hingegen bereits versierter ist, den Knochen selbst führen und ohne Schablone sehen will, was er tut, solle auf ein dynamisches Navigationssystem setzen – das mache schlicht sehr viel Spaß.
Lernkurve und typische Fehler
Illusionen macht der Implantologe niemandem: Am Anfang werde etwas schiefgehen. Gerade bei der Navigation gebe es eine echte Lernkurve, denn trotz der Brille beim Falcon-System müsse der Blick immer wieder zwischen Bildschirmen und Mund wechseln. Zudem gehöre zu jedem Eingriff eine Checkliste, die stimmen müsse. Umso wichtiger sei es, einfach zu starten und nicht alle Möglichkeiten auf einmal ausschöpfen zu wollen – sonst komme man am Ende zu gar nichts.
In der Schnellfragerunde der Episode bringt der Gast seine Haltung auf den Punkt: Sein absolutes Game-Changer-Tool sei coDiagnostiX gewesen, geführtes Implantieren zieht er der Freihandmethode vor – und wer über den Einstieg nachdenke, solle bald starten, denn sonst werde es irgendwann zu spät. Der Weg dorthin führt über einen einfachen ersten Fall, eine durchdachte Anschaffungsreihenfolge und die Bereitschaft, eine Lernkurve zu akzeptieren.