Der Dental Summer am Timmendorfer Strand hat sich seit 2010 von einer Fortbildungsveranstaltung zu einem der größten Treffpunkte für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte entwickelt. Jährlich kommen rund 1.000 Zahnärztinnen, Assistenzärztinnen und Praxisteams an die Ostsee; rechnet man die Industrie hinzu, sind es in der Spitze über 2.000 Menschen. In der Episode „Wie übergibt man ein Lebenswerk?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry erzählt Gründer Wilhelm Hakim gemeinsam mit seinem Sohn Chris die Geschichte hinter der Veranstaltung – und erklärt, welche Prinzipien ihren Erfolg tragen.
Warum eine Fortbildung für den Nachwuchs entstand
Die Idee zum Dental Summer ist nach Hakims Worten rund 20 Jahre alt – und sie entstand aus einer nüchternen Beobachtung: Er sei mit seinen Kunden alt geworden. Als er selbst die 40 überschritt, gingen die Teilnehmer seiner Veranstaltungen mit ihm über diese Schwelle, und irgendwann seien sie kaum noch zu bewegen gewesen, Neues zu lernen. Wer ein Implantatsystem etabliert hat, wechselt es nicht mehr; den Steuerberater und die Bank ändert man ebenso wenig, und auch das Materialgeschäft folgt eingefahrenen Vorlieben. Also entwickelte Hakim ein Fördermodell für den Nachwuchs: eine Fortbildungsveranstaltung für junge Leute, zu der viele zum Sonderpreis oder mit Gratistickets kommen können. Ein Drittel der Einnahmen aus den Industrieständen fließt in diesen Fördertopf, jeden Abend gibt es eine Party. Werbung sei kaum nötig – die Veranstaltung lebe von Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Presse nennt den Dental Summer inzwischen das „Festival der jungen Zahnheilkunde“.
Alle auf Augenhöhe: das All-in-Prinzip
Ein Kernelement des Konzepts ist die konsequente Gleichbehandlung aller Teilnehmergruppen. Es gibt keine verschiedenen Klassen, sondern nur ein All-in-Paket – ob Aussteller, Praxismitarbeiterin, Zahnarzt oder Zahntechniker: Alle erhalten das gleiche Essen, die gleichen Getränke, die gleiche Party. Genau darin sieht Hakim den Grund, warum Industrie und junge Zahnmediziner gleichermaßen profitieren: Ein lockeres Gespräch am Strand sei etwas völlig anderes als ein kurzes Vorbeigehgespräch am Messestand oder eine gehetzte halbe Stunde in der Praxis. Zugleich stellt er klar, dass der Dental Summer keine Verkaufsveranstaltung ist: Wer erwarte, vor Ort direkt Aufträge zu schreiben, verfolge den falschen Ansatz. Hier würden Weichen gestellt und Kontakte geknüpft – „Menschen wollen mit Menschen zu tun haben, und das Geschäft kommt von allein“. Die Veranstaltung sei bewusst in die Zukunft gedacht.
Drei Werte: einmalig, kompetent, begeisternd
Nach dem entscheidenden Erfolgsfaktor gefragt, nennt Hakim drei Werte. Einmalig, weil es diese Veranstaltung für junge Leute in Deutschland nur ein einziges Mal gebe. Kompetent, weil die führenden Köpfe der zahnmedizinischen Weiterbildung vor Ort seien. Und begeisternd, weil der Netzwerkgedanke mit Partys und Eventcharakter verbunden werde.
Verlässlichkeit in der Krise als Wachstumstreiber
Einen Wendepunkt markierte die Corona-Zeit. Während viele Fortbildungsanbieter nach Hakims Schilderung gar nichts mehr organisierten, ging sein Team stets an die Grenze des jeweils Erlaubten – einmal kamen die Lockerungen am 16. Juni für eine Veranstaltung, die am 19. Juni stattfand. Dieses Risiko sei von Industrie und Teilnehmern honoriert worden: Ab 2023 sei die Veranstaltung regelrecht überrannt worden. Heute umfasst das Programm 18 Seminare, von denen 14 ausgebucht sind; das größte, ein Kurs von Dani Edelhoff zur minimalinvasiven Prothetik, zählt über 200 Teilnehmer. Inzwischen verteilt sich das Geschehen auf sechs Locations rund um das Maritim Seehotel.
Fachwissen und Persönlichkeitsentwicklung gleichauf
Bemerkenswert ist die Ausrichtung des Programms: Fachliche und persönlichkeitsbildende Seminare seien gleich stark gebucht – ein Körpersprache-Seminar etwa zählt 160 Teilnehmer. Die IFG habe Themen wie Mindset bereits behandelt, als der Begriff noch gar nicht existierte und schlicht „Einstellung“ hieß, und ein Longevity-Seminar angeboten, bevor daraus ein Trend wurde. Das Wachstum spricht für das Konzept: Im Jahr 2000 zählte die IFG 1.600 Seminarteilnehmer pro Jahr, heute sind es rund 16.000 in Online- und Präsenzformaten. Für die Zukunft wünscht sich Hakim vor allem eines: dass das persönliche Treffen so wichtig bleibt wie heute – denn gerade nach der Corona-Zeit hätten die Menschen gezeigt, wie sehr sie den direkten Austausch brauchen, allen digitalen Möglichkeiten zum Trotz.