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Praxisgründung & Übernahme

Praxisübergabe im Wandel: Warum Zahnarztpraxen heute anders übergeben werden

Überhöhte Wertvorstellungen, Digitalisierung, Landflucht: Wilhelm Hakim beschreibt, warum die Übergabe von Zahnarztpraxen heute nach anderen Regeln funktioniert als früher.

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Wenn eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt die eigene Praxis abgibt, treffen zwei Perspektiven aufeinander, die selten deckungsgleich sind. Wilhelm Hakim, Gründer der Fortbildungsgesellschaft IFG und des Dental Summer am Timmendorfer Strand, ist seit rund drei Jahrzehnten in der Dentalbranche tätig und steht derzeit selbst mitten im Generationswechsel des eigenen Unternehmens. In der Episode „Wie übergibt man ein Lebenswerk?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry beschreibt er, warum die Übergabe einer Zahnarztpraxis nach eigenen Regeln funktioniert – und welche Entwicklungen den Berufsstand derzeit prägen.

Familiennachfolge ist in Zahnarztpraxen die Ausnahme

Auf die Frage nach Parallelen zwischen seinem eigenen Generationswechsel und dem in Zahnarztpraxen antwortet Wilhelm Hakim differenziert: Große Parallelen sieht er nicht, denn Zahnarztpraxen würden anders übergeben. Dass ein Kind in die elterliche Praxis einsteigt, komme relativ selten vor. Während in seinem Fortbildungsunternehmen der Sohn schrittweise Verantwortung übernimmt und dabei auf das Wissen und die Kontakte des Vaters zurückgreifen kann, gehen Praxen in der Regel an externe Nachfolgerinnen und Nachfolger – mit allen Reibungspunkten, die ein solcher Wechsel zwischen einander fremden Generationen mit sich bringt.

Die Erwartungslücke beim Praxiswert

Einen zentralen Konflikt beschreibt Hakim besonders anschaulich: Abgebende Zahnärzte betrachteten das, was sie hinterlassen, häufig als „super toll“ und als Altersversicherung. Sie erwarteten einen entsprechenden Abstand für alles, was über die Jahre eingebaut und investiert wurde. Die jüngere Generation komme jedoch mit einem völlig anderen Blick in die Verhandlung: Vieles könne man aus ihrer Sicht schlicht „rausschmeißen“, denn heute sei alles digital, Künstliche Intelligenz halte Einzug, und statt der gewohnten Systeme würden neue Programme gebraucht. Was den Abgebenden wertvoll erscheint – im Podcast fällt das pointierte Beispiel der über Jahre gepflegten Karteikarten –, hat für Übernehmende oft keinen materiellen Wert mehr. Diese Lücke zwischen empfundenem und tatsächlichem Praxiswert gehört damit zu den emotionalsten Hürden einer Übergabe: Auf der einen Seite steht ein Berufsleben voller Investitionen, auf der anderen eine Generation, die eine Praxis von Beginn an digital denkt.

Landflucht und ein Berufsbild im Umbruch

Hinzu kommen nach Hakims Beobachtung strukturelle Veränderungen, die den Markt für Praxisübergaben zusätzlich verschieben. Er nennt zunächst die Landflucht: Viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte wollten nicht mehr auf dem Land arbeiten, sondern zieht es in die Städte – für abgabewillige Inhaber ländlicher Praxen eine schwierige Ausgangslage. Zudem verändere sich die Rolle des Zahnarztes insgesamt. Der Beruf werde zunehmend weiblicher, und bei vielen Zahnärztinnen stehe in bestimmten Lebensphasen die Familie im Vordergrund: Kinder bekommen, Kinder großziehen, später der Wiedereinstieg in den Beruf – und dann möglicherweise der Wunsch, nicht mehr die volle unternehmerische Verantwortung einer eigenen Praxis zu tragen. All das sei grundlegend anders als vor 30 Jahren, als er selbst in die Dentalbranche eingestiegen ist. Sein Fazit im Podcast: Das gesamte zahnärztliche Unternehmertum habe sich verändert beziehungsweise stecke mitten in einem Änderungsprozess.

Was sich aus dem Familienunternehmen übertragen lässt

Auch wenn Hakim die direkten Parallelen für begrenzt hält, enthalten seine Erfahrungen aus dem eigenen Generationswechsel Grundsätze, die sich auf Praxisübergaben beziehen lassen. Sein Leitspruch lautet: dem Bewährten verbunden, dem Neuen aufgeschlossen. Die Basis, die ein Unternehmen – oder eine Praxis – zu dem gemacht hat, was sie ist, dürfe nicht vergessen werden; zugleich brauche es Offenheit für neue Ideen. Sein Bild dafür ist der Baum, der beschnitten werden darf und neue Äste treibt, dessen Wurzeln aber bleiben müssen. Verantwortung abzugeben empfindet er als deutlich schwerer, als etwas aufzubauen – wer abgibt, müsse akzeptieren, dass der Nachfolger anders entscheidet, und dürfe nicht ständig hineinregieren. Sein Sohn Chris ergänzt die Sicht der jungen Generation: Übergebende sollten Freiheiten gewähren und Ratschläge nicht besserwisserisch erteilen; Übernehmende sollten Tipps ernst nehmen und respektieren, was bereits aufgebaut wurde, statt zu glauben, alles allein besser zu können. Damit zeichnet die Podcast-Episode ein realistisches Bild: Eine Praxisübergabe ist keine reine Bewertungs- und Vertragsfrage, sondern das Aufeinandertreffen zweier Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Wert, Technik und Arbeitsleben.

#Praxisübergabe #Nachfolge #Praxisabgabe
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #135

Wie übergibt man ein Lebenswerk? Die Geschichte des Dental Summer

Gast: Wilhelm Hakim und Chris Hakim