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Praxisgründung & Übernahme

Generationswechsel im Familienunternehmen: Wie ein Lebenswerk übergeben wird

Wilhelm Hakim hat den Dental Summer aufgebaut, sein Sohn Chris soll ihn weiterführen. Im Podcast schildern beide, wie die Übergabe eines Lebenswerks gelingen kann.

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Der Dental Summer am Timmendorfer Strand hat sich seit 2010 von einer Fortbildungsveranstaltung zu einem der größten Treffpunkte für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland entwickelt. Aufgebaut wurde er von Wilhelm Hakim, der heute vor einer Herausforderung steht, die viele Unternehmer und ebenso viele Praxisinhaber kennen: dem Generationswechsel. Sein Sohn Chris ist bereits fest eingebunden und soll Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. In der Episode „Wie übergibt man ein Lebenswerk?“ des Podcasts Queens & Sons of Dentistry schildern beide, wie eine solche Übergabe gelingen kann, ohne dass das Fundament des Erreichten verloren geht.

Hineinwachsen statt hineingedrängt werden

Chris Hakim ist mit der Veranstaltung aufgewachsen. Seine ersten Erinnerungen an den Dental Summer reichen in die Zeit zurück, als er sieben oder acht Jahre alt war und nach dem Tennistraining am Veranstaltungsort vorbeischaute. Mit 15 oder 16 Jahren begann er, sich gemeinsam mit Schulfreunden ein Taschengeld zu verdienen: morgens Stuhlreihen aufbauen, abends wieder abräumen. Seit etwa drei Jahren versteht er sich als „unterstützender Arm“ seines Vaters – nicht mehr als Helfer des Hotels, sondern eingebunden in die Prozesse der Veranstaltung selbst. Seine Rolle beschreibt er klar: in erster Linie zuhören und eigene Ideen einbringen, während der Vater die Hauptrolle spielt.

Bemerkenswert ist, dass die Nachfolge nie erzwungen wurde. Wilhelm Hakim gab seinen beiden Söhnen stets mit auf den Weg, zunächst das zu tun, was sie selbst wollen – nach dem Grundsatz „nichts muss, alles kann“. Bis Chris 18 oder 19 Jahre alt war, sei völlig offen gewesen, ob er überhaupt einsteigen würde; sein älterer Bruder lebt in Frankfurt und ist beruflich einen anderen Weg gegangen. Chris selbst schließt in diesem Sommer seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann ab, arbeitet weiterhin in Hamburg und unterstützt das Familienunternehmen daneben – am Wochenende und nach der Arbeit.

Loslassen ist schwerer als Aufbauen

Auf die Frage, was schwerer falle – ein Unternehmen aufzubauen oder Verantwortung abzugeben –, antwortet Wilhelm Hakim im Podcast ohne Zögern: das Abgeben. Der Aufbau laufe fast von selbst, weil man aus der Verantwortung ohnehin nicht herauskomme; die Veranstaltung sei wie ein Zug, der fährt und rollt, und irgendwie gebe es immer Lösungen. Verantwortung abzugeben und Entscheidungen nicht mehr selbst zu treffen, empfindet er dagegen als deutlich schwieriger. Wer loslasse, müsse zugleich akzeptieren, dass Dinge anders laufen als gedacht – und, wie er es formuliert, wiederum Verantwortung dafür übernehmen, dass man die Verantwortung abgegeben hat. Mit fast 62 Jahren beobachtet er zudem, dass sein berufliches Umfeld jünger wird und die Geschäftspartner seinen Sohn zunehmend als künftigen Ansprechpartner wahrnehmen. Für sich selbst sieht er perspektivisch die Rolle eines „honorigen Beraters“, der den Übergang noch mehrere Jahre begleiten kann – und er betont, wie sehr er sich für seinen Sohn freut, diese Aufbauphase ein zweites Mal miterleben zu dürfen.

Freiraum mit Rückendeckung

Chris Hakim beschreibt die Erwartungen an einen gelingenden Übergang aus Sicht der jungen Generation: Er braucht Freiheit in seinen eigenen Themen, zugleich aber die Gewissheit, dass der Vater erreichbar bleibt. Offen spricht er über den Erfolgsdruck, der entsteht, wenn bereits viel geschafft wurde und man es mindestens genauso gut machen möchte. Zugleich sieht er den Vorteil, Fehler nicht wiederholen zu müssen, die früher gemacht wurden – er könne einfach fragen, wie die Lösung aussieht. Der Entscheidungsprozess läuft heute so, dass Chris Ideen vorschlägt, der Vater darüber nachdenkt und im Zweifel so entscheidet, wie Chris es möchte. Das letzte Wort liegt allerdings noch beim Vater, auch weil die gewachsenen Netzwerkkontakte bei ihm liegen. Wie das im Alltag aussieht, zeigt das Beispiel der Unternehmenswebsite: Aus Sicht des Vaters funktionierte die sechs Jahre alte Seite einwandfrei, aus Sicht des Sohnes gingen darüber Interessenten verloren. Nun entsteht für mehrere zehntausend Euro eine neue Website, die Chris nach eigenen Vorstellungen gestalten darf.

Dem Bewährten verbunden, dem Neuen aufgeschlossen

Als Leitsatz für den Generationswechsel nennt Wilhelm Hakim einen Spruch, nach dem er nach eigener Aussage lebt: dem Bewährten verbunden und dem Neuen aufgeschlossen. Er selbst sei stärker dem Bewährten verbunden, Chris stärker dem Neuen – und genau diese Schnittmenge trage das Zusammenspiel. Sein Bild dafür: Ein Baum darf beschnitten werden und neue Äste treiben, aber die Wurzeln, das Fundament, müssen bleiben. Übergebenden rät Chris, Freiheiten zu gewähren und Ratschläge nicht besserwisserisch zu erteilen; Übernehmenden rät er, Tipps anzunehmen und nicht zu glauben, alles allein besser zu können – schließlich zeige das Erreichte, was bereits funktioniert hat. Dass diese Haltung trägt, führen beide auf ihre enge Kommunikation zurück: Oft sei die Antwort schon da, bevor der Satz zu Ende geschrieben ist. Eine Erfahrung, die sich – so der Grundgedanke der Podcast-Episode – auf viele Zahnarztpraxen übertragen lässt, in denen ebenfalls ein Lebenswerk weitergegeben werden soll.

#Familienunternehmen #Nachfolge #Generationswechsel
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #135

Wie übergibt man ein Lebenswerk? Die Geschichte des Dental Summer

Gast: Wilhelm Hakim und Chris Hakim