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Chirurgie & Implantologie

Prothetik als wichtigster Guide: Warum Implantatplanung beim Zahnersatz beginnt

Warum prothetisches Verständnis über den Erfolg jeder Implantation entscheidet – vom Smile Design über das Wax-up bis zur Implantatposition, geschildert von einem erfahrenen Oralchirurgen.

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„Ich bin Chirurg, ich mache keine Prothetik“ – Sätze wie dieser sind in der Implantologie keine Seltenheit. In der zweiten Folge der Trilogie zur computergestützten Implantologie im Podcast Queens & Sons of Dentistry widerspricht ein erfahrener Oralchirurg dieser Haltung deutlich: Prothetisches Verständnis sei für den implantologisch tätigen Chirurgen der wichtigste Guide und das wichtigste Thema in der gesamten Operation. Wer keine Ahnung von Prothetik habe und nie selbst eine Brücke angefertigt habe, arbeite schlicht schlecht – so seine bewusst pointierte Einschätzung. Zumindest ein Mindestmaß an eigener prothetischer Tätigkeit hält er für unverzichtbar.

Ein Blick über die Grenze: Deutschland und Frankreich

Der Gast, der selbst nicht aus Deutschland stammt, ordnet die Debatte zunächst strukturell ein. In Deutschland sei die Position des Chirurgen sehr dominant – in den Praxisstrukturen ebenso wie an den Universitäten. Freihändig schnell implantieren zu können, gelte hierzulande als Ausweis eines guten Chirurgen. Genau das hält er für einen Denkfehler. In Frankreich sei die Ausgangslage eine andere: Dort seien auch Implantologen zunächst Zahnärzte, die sich schrittweise zu Implantologen entwickeln. Einen Fachzahnarzt für Oralchirurgie gebe es nicht, und die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen orientierten sich kaum in Richtung Implantologie – unter anderem, weil ihnen die prothetische Ausbildung fehle. Es handle sich schlicht um ein völlig anderes Gefüge der Fachdisziplinen.

Was der Operateur über die prothetische Versorgung wissen muss

Was prothetisches Denken für den Chirurgen konkret bedeutet, beschreibt der Gast anhand der Fragen, die vor jeder Implantation beantwortet sein müssen: Welcher Aufbau kommt später zum Einsatz – ein gerader oder ein abgewinkelter? Lässt sich im ästhetischen Bereich der Schraubenkanal so weit angulieren, dass eine vertikale Verschraubung ohne Probleme möglich ist? Oder ist im konkreten Fall eine abgewinkelte Schraube dennoch akzeptabel? All das müsse der Operateur wissen und können, bevor er bohrt – denn die Implantatposition entscheidet darüber, welche prothetischen Optionen später überhaupt offenstehen.

Die Sorge der Überweiser – und die Chance der Zusammenarbeit

Der Chirurg benennt offen ein praktisches Spannungsfeld: Wer als chirurgisch tätiger Kollege auch Prothetik anbietet, schrecke manche Überweiser ab – die Zusammenarbeit gehe dann lieber an den Kollegen, der keine Prothetik macht. Dem stellt er die Perspektive der überweisenden Praxis bei gelungener Vorbereitung gegenüber: Kommt der Patient mit perfekter Okklusion, vorhandenen Papillen und einem exakt vorbereiteten, passgenau einsetzbaren Aufbau zurück, sei das eine wunderbare Arbeit und Zusammenarbeit – ohne Kompromisse. Am Ende profitierten alle Beteiligten: der Patient, der Überweiser, der Behandler, der Zahntechniker und auch der Implantathersteller – im Fall seiner Praxis Straumann. Der Gast beschreibt diese Konstellation als echte Win-win-Situation für das gesamte Behandlungsteam.

Der Workflow: von der Fotoanalyse zur Implantatposition

Wie prothetisch orientierte Planung konkret aussieht, schildert der Chirurg anhand seines standardisierten Vorgehens, das bei allen umfangreichen Fällen gleich bleibt – ob Frontzahnbereich, Knochenaufbau oder Totalversorgung:

  • Am Anfang steht eine Fotoanalyse des Patienten mit vollständigem intraoralem und extraoralem Protokoll.
  • Die Okklusion wird digital registriert, bei Bedarf mit entsprechenden Geräten zur Bewegungsaufzeichnung.
  • Es folgt immer ein Smile Design – für den Gast die zentrale Form der Kommunikation mit dem Zahntechniker und die Basis der weiteren Arbeit, beginnend mit der Frontzahnästhetik und der gesamten Gesichtsanalyse.
  • Großen Wert legt das Team auf die Funktion: darauf, wie beide Kiefer zusammenarbeiten und wie das Wax-up die Zahnkontakte abbildet.

Erst wenn diese prothetische Zielposition steht, folgt die eigentliche implantologische Arbeit: Das Implantat wird abhängig von dieser Position im Knochen geplant und gesetzt – umgesetzt wahlweise über einen statischen Guide, eine navigierte Operation oder, wo vorhanden, ein robotisches System.

Fazit

Die Botschaft der Episode ist eindeutig: Gute Implantatchirurgie beginnt nicht mit dem Bohrer, sondern mit dem Zahnersatz. Wer die prothetische Zielsituation kennt, plant von der Krone zurück zum Implantat – und schafft damit die Grundlage für Ergebnisse, an denen Patient, Überweiser, Labor und Behandler nach Darstellung des Gastes gleichermaßen Freude haben.

#Prothetik #Digitaler Workflow #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #133

Freihand vs. Computergestützte Implantologie

Gast: Dr. Romain Doliveux