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Chirurgie & Implantologie

Wann Freihand, wann navigiert? Indikationen in der Implantologie

Einzelzahnlücke freihändig, Frontzahn und Full-Arch navigiert: Ein Implantologe erläutert, nach welchen Kriterien er zwischen Freihand, Schablone und Navigation wählt.

Veröffentlicht am

Die Diskussion um freihändige versus computergestützte Implantation wird häufig als Grundsatzfrage geführt – als müsse sich jeder Behandler dauerhaft für ein Lager entscheiden. In der zweiten Folge der Trilogie zur computergestützten Implantologie im Podcast Queens & Sons of Dentistry plädiert ein erfahrener Oralchirurg, der selbst intensiv mit Navigationssystemen arbeitet, für einen pragmatischen Mittelweg: Entscheidend sei nicht die Methode an sich, sondern die Indikation im konkreten Fall.

Drei Wege führen zum Implantat

Seine Haltung bringt der Chirurg mit einer rhetorischen Frage auf den Punkt: Warum sollte man nur eine Sache machen, wenn es drei Möglichkeiten gibt? Wer verkünde, ausschließlich navigiert oder ausschließlich schablonengeführt zu arbeiten, mache aus seiner Sicht denselben Fehler wie jemand, der alles freihändig löst. Zur Verfügung stehen die freihändige Implantation, die statisch geführte Implantation über eine Bohrschablone sowie die dynamische Navigation – perspektivisch ergänzt um die Robotik, sofern ein entsprechendes System vorhanden ist. Die Aufgabe des Behandlers bestehe darin, für die jeweilige Situation das passende Verfahren zu wählen.

Einfache Fälle: Freihand bleibt erste Wahl

Wie diese Auswahl in der Praxis aussieht, illustriert der Gast an einem Beispiel: Wird ein einzelner Sechser ersetzt, bei dem Fünfer und Siebener noch stehen und das Implantat schlicht dazwischen positioniert werden muss, greife er zu keinem Navigationsgerät. Freihand sei in solchen Situationen selbstverständlich schneller – Kassette öffnen und bohren. Voraussetzung bleibt allerdings auch hier eine saubere gedankliche Planung, denn wer freihändig gut operieren wolle, müsse ebenso wissen, wo das Implantat stehen soll, wo die spätere Krone sitzt und wie tief inseriert wird.

Wann computergestützt: die typischen Indikationen

Auf die Frage des Moderators, wo für ihn die Grenze verläuft und wann ein Fall nicht mehr einfach ist, nennt der Chirurg konkrete Konstellationen, in denen er auf jeden Fall zur computergestützten Unterstützung greift:

  • Frontzahnbereich: Hier könne sehr viel schiefgehen, und das Ergebnis müsse ästhetisch überzeugen – was nicht immer einfach sei.
  • Umfangreicher Knochenaufbau: Wer sich große Mühe gegeben habe, den Knochen aufzubauen, wolle das Implantat exakt im augmentierten Bereich platzieren.
  • Komplettversorgungen: gerade auch dann, wenn sie im augmentierten Knochen erfolgen.
  • Gezielte Angulation: Fälle, in denen das Implantat anguliert werden soll, um beispielsweise an der Kieferhöhle vorbei in die richtige Position zu gelangen.

In solchen Situationen sei es sehr wertvoll, eine Unterstützung zu haben, so das Resümee des Gastes.

Full-Arch: der Paradefall für die Navigation

Besonders deutlich wird der Nutzen aus seiner Sicht bei der Komplettversorgung. Mit Erfahrung, der richtigen Struktur und den richtigen Leuten an der Seite sei man hier navigiert definitiv schneller als freihändig. Der Eingriff sei kompliziert genug – die Navigation nehme dem Behandler die Frage ab, wo gebohrt werden soll und welches Implantat wohin gehört. Man kenne die Sequenz der Bohrer, arbeite wie beim Freihandvorgehen, wisse aber jederzeit genau, was mit Abwicklung und Position zu tun ist. Der Chirurg spricht von einer Riesenerleichterung; verkürzt formuliert: Je aufwendiger der Eingriff, desto höher der Nutzen des computergestützten Vorgehens.

Sicherheitsgewinn als zusätzliches Argument

Neben dem Ablauf spricht aus Sicht des Gastes auch die Rückmeldung des Systems für die Navigation: Der Behandler erhält während des Eingriffs kontinuierlich die Information, wo er sich befindet und wohin er muss. Zudem macht die Planung auf anatomische Risiken aufmerksam – etwa auf ein kräftiges Gefäß im Bereich des Sinusfensters, dem sich durch eine gezielt tiefere Fensterung ausweichen lässt. Auch bei der Vorhersagbarkeit sieht der Chirurg die Navigation vorn: Sie sei genauer, was sich insbesondere bei der Sofortbelastung auszahle, wenn die am Computer gemeinsam mit dem Zahntechniker geplante Versorgung am Ende exakt wie geplant verschraubt werden kann.

Fazit: Indikation statt Ideologie

Das Gespräch mündet in das Fazit des Moderators: Freihand ist nicht falsch – aber nicht mehr in jedem Fall die beste Lösung. Wer alle Verfahren beherrscht und indikationsbezogen auswählt, arbeitet nach Auffassung des Gastes am Ende präziser, sicherer und im Sinne des Patienten.

#Indikationen #Full-Arch #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #133

Freihand vs. Computergestützte Implantologie

Gast: Dr. Romain Doliveux