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Chirurgie & Implantologie

Keramikimplantate in der Praxis: Indikationen und Beratung

Rund 100 Implantate pro Jahr, davon bis zu 20 Prozent Keramik: Dr. Maximilian Fuhrmann schildert Indikationen, Fallbeispiele und Kostenfragen aus der täglichen Praxis.

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Rund 100 Implantate pro Jahr setzt die Praxis von Dr. Maximilian Fuhrmann – bei einem Behandlungsschwerpunkt auf Parodontologie und restaurativer Zahnheilkunde, sodass deutlich mehr Zähne erhalten als ersetzt werden. Zehn bis zwanzig Prozent dieser Implantate sind inzwischen aus Keramik. In Folge 129 des Podcasts Queens & Sons of Dentistry beschreibt der seit über 14 Jahren tätige Zahnarzt, wie in seiner Praxis die Entscheidung zwischen Titan und Zirkondioxid fällt – und welche Fälle ihm besonders in Erinnerung geblieben sind.

Wann Keramik zum Einsatz kommt

Die Nachfrage entsteht laut Fuhrmann zunehmend auf Patientenseite: Immer mehr Menschen fragen aktiv, ob es zu Titan nicht eine Alternative gebe. Drei Motivationen begegnen ihm dabei regelmäßig: der Wunsch nach einer metallfreien Versorgung, hochästhetische Ansprüche und eine eher holistisch orientierte Haltung, bei der eine möglichst „störungsfreie“ Lösung im Körper gewünscht wird. Seine Indikationsstellung formuliert der Zahnarzt klar: Besteht die Sorge vor potenziellen Unverträglichkeiten, greift die Praxis grundsätzlich zur Keramik – vorausgesetzt, das Knochenangebot bietet in Höhe und Breite eine tragfähige Grundlage, ohne dass groß augmentativ gearbeitet werden muss. Grundsätzlich werde jede Versorgung individuell mit dem Patienten durchgesprochen und die aus Behandlersicht beste Lösung angeboten.

Fallbeispiel: Titanunverträglichkeit und Sticky-Bone-Augmentation

Als Schlüsselmoment beschreibt Fuhrmann im Podcast einen Patienten, der einen Titan-Stimulationstest hatte durchführen lassen – mit dem Ergebnis einer Unverträglichkeit. Der Wunsch: ausschließlich Keramik. Die Knochenverhältnisse waren allerdings recht schmal, sodass augmentiert werden musste. Zum Einsatz kam die Sticky-Bone-Technik in Kombination mit einem Fibrinkleber aus der Chirurgie, der vom Medizinhersteller Baxter stammt und nicht über den Dentalhandel, sondern direkt beim Unternehmen bezogen wird. Das gefriergetrocknet gelieferte und gekühlt gelagerte Material besteht aus zwei Komponenten – Fibrinogen und Thrombin – und simuliert die Blutgerinnung. Gemischt mit autologem oder xenogenem Augmentationsmaterial entsteht eine standfeste, knetbare Masse, die Fuhrmann mit einem Kaugummi vergleicht: Sie lässt sich nicht auswaschen, adaptiert sich präzise an die Defektmorphologie und wird durch das gebundene Blut zusätzlich fester. Eine Membran sei dadurch nicht zwingend erforderlich. Die Technik gehe auf einen italienischen Zahnarzt zurück, der sie bereits vor rund 20 Jahren entwickelt habe. Das Ergebnis überzeugte: Der Patient habe „genau das bekommen, was er wollte“ – und das in hervorragender Qualität.

Fallbeispiel: Sofortimplantation in der ästhetischen Zone

Auch an das erste Keramikimplantat des aktuell genutzten Systems erinnert sich Fuhrmann gut: Ein Frontzahn musste entfernt werden, der Patient war für die neue Versorgung schnell „Feuer und Flamme“. Implantiert wurde sofort nach der Entfernung des Zahns, belastet jedoch nicht sofort. Gerade in der ästhetischen Zone und bei dem vorliegenden dünneren Biotyp habe die weiße Farbe des Implantats ihren Reiz ausgespielt – dort, wo bei Knochenverlust ein dunkler Implantatkörper durchschimmern könnte. Prothetisch sei der Fall durchaus anspruchsvoll gewesen, am Ende habe aber alles sehr gut funktioniert: „Alle waren dankbar.“

Kosten transparent einordnen

Bei den Kosten differenziert Fuhrmann nach System: Das aktuell genutzte Keramikimplantat sei günstiger als das zuvor eingesetzte Keramiksystem, liege aber weiterhin über Titan – über den Daumen etwa 150 bis 200 Euro brutto Mehrkosten. Da Implantate als Durchlaufposten wie Prothetik aus dem Fremdlabor eins zu eins weitergegeben werden und Lagerhaltungskosten nicht aufgeschlagen werden dürfen, kommt dieser Unterschied direkt beim Patienten an. Beim früher genutzten System habe allein ein Implantat rund 600 Euro gekostet – bei mehreren Implantaten summiert sich das zu einer ganz anderen Größenordnung. Entsprechend gelte es stets abzuwägen, was finanziell tragbar ist.

Der Maßstab: die eigene Familie

Wie überzeugt der Implantologe von der Werkstoffwahl ist, zeigt seine Antwort auf die Frage, welche Versorgung er den eigenen Eltern empfehlen würde: Bei ausreichendem Knochenangebot ohne große augmentative Maßnahmen ein Keramikimplantat – „die kriegen das Weiße“. Beim subjektiven Empfinden sieht er dagegen keinen Unterschied zwischen den Werkstoffen: Ein Fremdkörpergefühl könne bei jedem Implantat auftreten, weil die Propriozeption des natürlichen Zahns mit seinem Faserapparat fehle; vieles hänge von der individuellen Psychologie ab. Die individuelle Beratung bleibt damit der Kern jeder Werkstoffentscheidung.

#Augmentation #Patientenberatung #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #129

Implantate aus der Raketenfabrik

Gast: Dr. Maximilian Fuhrmann und Thorsten Buurlage