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Chirurgie & Implantologie

Bruchrisiko von Keramikimplantaten: Was hat sich geändert?

Frühe Keramikimplantate galten als bruchanfällig. Warum moderne Zirkondioxid-Systeme mit bewährtem Design und verschraubter Prothetik heute anders zu bewerten sind.

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Kaum ein Vorbehalt hält sich in der Implantologie so hartnäckig wie der vom bruchanfälligen Keramikimplantat. In Folge 129 des Podcasts Queens & Sons of Dentistry erläutern der Entwicklungsingenieur Thorsten Buurlage, der die Fertigung der Neodent-Keramikimplantate leitet, und der Zahnarzt Dr. Maximilian Fuhrmann, woher dieser Ruf stammt – und warum er auf moderne Zirkondioxid-Systeme nach ihrer Einschätzung nicht mehr zutrifft.

Woher der Ruf der Bruchanfälligkeit stammt

Buurlage beschreibt sich selbst als vergleichsweise neu in der Dentalbranche – und sieht darin einen Vorteil: Er trage den „Rucksack der Vergangenheit“ nicht mit und könne die Bruchdiskussion neutral beurteilen. Die Ursachen der frühen Misserfolge seien bekannt: zum einen konstruktiv bedingte Schwächen, zum anderen – und vor allem – völlig ungeeignete Materialien, die für Festigkeitsanwendungen nie gedacht waren; als Beispiel nennt er Aluminium. Die heutigen hochfesten Zirkondioxid-Werkstoffe kennten diese Problematik schlicht nicht mehr. Die Festigkeitstests der aktuellen Implantate bezeichnet er als „mehr als hervorragend“ – in den meisten Fällen lägen die Werte sogar weit über Titan.

Dr. Fuhrmann bestätigt diese Entwicklung aus klinischer Sicht: Die Datenlage habe sich in Studien über fünf bis zehn Jahre deutlich gewandelt, die Materialien seien besser geworden. Zu Brüchen sei es früher vor allem gekommen, wenn Implantate nicht protokollgemäß gesetzt oder extraaxial ungünstig belastet wurden. In seiner eigenen Praxis habe er einen Implantatbruch bislang nicht erlebt.

Design: bewusst eine Kopie des Titanimplantats

Bemerkenswert offen spricht Buurlage über die Designphilosophie: Von außen betrachtet sei das Keramikimplantat „eine Kopie vom Titanimplantat“ – und genau das sei Absicht. Titanimplantate brächten Jahrzehnte an Erfahrung mit, in denen sich optimale Protokolle herausgebildet hätten. Diesen Routinen wollte man sich anschließen, statt die Welt der Implantologie neu zu erfinden – denn „jeder ist nur Profi, wenn er auch eine gewisse Routine mitbringt“. Das zweiteilige Implantat verteilt die Kräfte über sechs Nasen gleichmäßig auf den Implantatkörper, ähnlich wie beim Titanpendant; zur Primärstabilität trägt zudem das Bohrprotokoll bei. Neu seien allein die weiße Ästhetik und die Bioverträglichkeit des Werkstoffs. Der Moderator vergleicht das Konzept im Gespräch mit einem Elektroauto: äußerlich vertraut, im Kern eine andere Technologie.

Die Lernkurve aus Anwendersicht

Dr. Fuhrmann hat klassisch mit Titan begonnen und sich vor rund sieben Jahren in die Keramikimplantologie eingearbeitet – auch, um Patienten mit Sorge vor potenziellen Unverträglichkeiten eine wissenschaftlich fundierte Alternative anbieten zu können. Eine Lernkurve habe es definitiv gegeben: „Titan ist nicht Keramik.“ Die Bohrprotokolle unterschieden sich je nach System, und gewisse Dinge, die bei Titan möglich seien, verlangten bei Keramik besondere Beachtung. Über die Jahre habe sich die Praxis dennoch auch in schwierigere implantologische Grenzbereiche vorgewagt, in denen Keramik als wenig tauglich galt – mit durchweg positivem Ergebnis: „Keramik hält durchaus einiges aus.“

Prothetik: verschraubt statt geklebt

Beim prothetischen Workflow schätzt Fuhrmann besonders die verschraubte Lösung des von ihm genutzten Systems. Bei Systemen, deren Komponenten mit speziellen Klebern gefügt werden, könne Kleber ins Gewebe abrutschen; ohne starke Vergrößerung seien Rückstände kaum sicher zu kontrollieren – „wenn was übrig bleibt, ist es immer doof“. Der verschraubte Aufbau bilde dagegen den vertrauten Workflow aus der Titanwelt mit ähnlichen Komponenten ab. Verbesserungspotenzial sieht der Zahnarzt beim Sortiment: Dickere, längere oder individuelle Abutments würden noch mehr Fälle erschließen; in solchen Situationen greife die Praxis derzeit noch auf Titan zurück.

Fazit: Upgrade statt Neuerfindung

Das Gesamtbild, das beide Gesprächspartner zeichnen, ist das eines Upgrades: bewährte Techniken und Routinen, kombiniert mit einem Werkstoff, der höhere Festigkeitswerte und eine bessere Bioverträglichkeit mitbringt. Im Idealfall, so Buurlage, bekomme der Anwender von alledem nichts mit – „wenn man keinen Bruch hat, kriegt man die Festigkeitswerte nicht mit“. Die von Fuhrmann beschriebene Lernkurve zeigt zugleich, dass der Erfolg an der konsequenten Einhaltung der systemspezifischen Protokolle hängt – dann aber steht der Werkstoff dem etablierten Titan in puncto Belastbarkeit nach Darstellung beider Gäste in nichts nach.

#Prothetik #Keramikimplantate #Implantologie
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #129

Implantate aus der Raketenfabrik

Gast: Dr. Maximilian Fuhrmann und Thorsten Buurlage