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Team & Kommunikation

Generation Z in der Zahnmedizin: Ein Wertewandel verändert die Branche

Zahnärztin Valeria Sabet beschreibt im Podcast Queens & Sons of Dentistry, wie Purpose, Social Media und ein Frauenanteil von bald 75 Prozent die Dentalbranche verändern.

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In der Dentalbranche vollzieht sich derzeit ein tiefgreifender Generationswechsel. In Folge #136 des Podcasts „Queens & Sons of Dentistry“, aufgezeichnet beim Dental Summer in Timmendorfer Strand, beschreibt die Berliner Zahnärztin Valeria Sabet, Mitgründerin und Chief Medical Officer der Lernplattform Wisdom, wie unterschiedlich die Generationen in der Zahnmedizin inzwischen ticken – und warum die etablierte Seite von der nachrückenden oft kaum etwas mitbekommt.

Zwei Generationen, die sich kaum noch begegnen

Sabet, Jahrgang 1995 und damit nach eigener Einordnung „das letzte Jahr der Millennials“, sieht sich selbst zwischen den Stühlen: Sie kennt noch die digitalen Anfänge um 2008, als iPhone und iPad auf den Markt kamen, arbeitet aber eng mit Digital Natives der Generation Z zusammen, die vollständig mit Social Media aufgewachsen sind. Aus dieser Doppelperspektive beobachtet sie, dass sich zwei Richtungen in der Branche bewegen, die voneinander wenig mitbekommen. Viele Verbände hätten die Verbindung zur neuen Generation weitgehend verloren – vor allem während der Corona-Zeit, in der man sich nicht mehr miteinander vernetzte. Genau in diese Phase fiel der Berufseinstieg der ersten Absolventinnen und Absolventen der Generation Z: Sie wurden nach Corona mit dem Staatsexamen fertig und starteten als Assistenzzahnärztinnen und -zahnärzte, ohne je Kontakt zur Generation davor aufgebaut zu haben. Das Ergebnis ist nach Sabets Beschreibung eine spürbare Entkopplung.

Purpose statt klassischer Rollenbilder

Mit dem Generationswechsel verschieben sich auch die Werte. Früher, so Sabet, drehten sich die typischen Themen, die Frauen in der Dentalbranche zugeschrieben wurden, um die Vereinbarkeit von Selbständigkeit und Familie sowie darum, sich in einer damals stark männlich geprägten Branche zu etablieren. Heute stehe dagegen die Selbstverwirklichung im Mittelpunkt: Junge Zahnärztinnen fragen sich, welche Themen sie in ihrem Leben angehen wollen – vielleicht die Selbständigkeit, vielleicht aber zunächst eine Spezialisierung. Die Leitfrage lautet nicht mehr „Praxis und Familie“, sondern: Wie möchte ich mich selbst verwirklichen, als Zahnärztin und als Mensch? Das große Wort Purpose habe sich in dieser Generation als zentraler Maßstab etabliert.

75 Prozent Frauenanteil: Die Zukunft ist weiblich

Dass dieser Wandel keine Randnotiz bleibt, macht Sabet an einer Zahl fest: In etwa zehn Jahren werden voraussichtlich 75 Prozent der Zahnärzteschaft weiblich sein. Die ersten rein weiblichen Semester gibt es bereits. Ihre Schlussfolgerung im Podcast fällt deutlich aus: Wer als Unternehmen nicht auf seine neuen Kundinnen zugehe, werde auf Dauer nicht bestehen. Die Branche müsse bereit sein – ob sie wolle oder nicht.

Instagram und TikTok als neuer Stammtisch

Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf die Verbandslandschaft. Aus Sicht vieler junger Kolleginnen und Kollegen wirken klassische Verbände wie ein „Altherrenverein“, so Sabet. Die neue Generation brauche keinen Verband mit Stammtisch, wenn sie sich über eine WhatsApp-Gruppe, einen FaceTime-Call oder Instagram vernetzen könne – Instagram und TikTok seien der neue Stammtisch. Auch der Kontakt zu Unternehmen laufe digital: Ein markiertes Foto genüge, um eine Verbindung zu einer Firma aufzubauen. Die Verbandsspitzen seien dagegen häufig über 60 Jahre alt, hätten die Branche über 30 Jahre in ihrer gewohnten Form gelebt und hätten teils nicht einmal einen Bezug zu Instagram. Sabet erwartet deshalb ein deutliches Verbändesterben. Je kommerzieller ein Bereich sei, desto eher spüre er den Wandel und verbessere sich – schlicht, weil ausbleibende junge Teilnehmer Umsatzverlust bedeuten.

Sichtbare Vorbilder für den Nachwuchs

Was der jungen Generation nach Sabets Beobachtung außerdem fehlt, sind weibliche Vorbilder. In manchen Fachbereichen müsse sie lange überlegen, wer dort als Speakerin infrage käme, während beim Stichwort „TikTok-Zahnarzt“ alle sofort denselben Namen parat hätten. Als positives Beispiel nennt sie die Gen-Z-Zahnärztin Anna Neubart, die ihr Studium auf Social Media dokumentiert hat und heute zeigt, was es bedeutet, als angestellte Zahnärztin der Generation Z in der Praxis zu arbeiten – inklusive der Sprüche, die Zahnärztinnen noch immer zu hören bekommen, etwa die Frage, ob sie „die Schwester“ sei. Damit erfülle sie eine wichtige Vorbild- und Fortbildungsfunktion für Studentinnen, die in der Branche sonst nur wenige Mentorinnen finden.

Das Gespräch zeigt: Der Wertewandel in der Zahnmedizin ist längst im Gange. Wer die neue Generation ernst nimmt, ihre Kommunikationswege versteht und ihr sichtbare Vorbilder bietet, kann den Übergang aktiv gestalten – alle anderen laufen Gefahr, den Anschluss an die Mehrheit der künftigen Zahnärzteschaft zu verlieren.

#Nachwuchs #Wertewandel #Generation Z
Ustomed Podcast – Queens and Sons of Dentistry · #136

Sind wir bereit für Gen-Z-Zahnärztinnen?

Gast: Valeria Sabet