Neue Technik entfaltet ihren Wert erst, wenn das Praxisteam sie mitträgt. Wie die Einführung der computergestützten Implantologie aus Teamsicht gelingt, ist eines der zentralen Themen der dritten Folge der Podcast-Trilogie von Queens & Sons of Dentistry, moderiert vom geschäftsführenden Inhaber von USTOMED INSTRUMENTE. Zu Gast ist ein Implantologe, der drei Navigationssysteme in seiner Praxis etabliert hat und offen über Widerstände, Lernkurven und die Einbindung seiner Mitarbeiterinnen spricht.
Akzeptanz ist ein Prozess, kein Schalter
Auf die Frage nach der Akzeptanz im Team antwortet der Implantologe ohne Beschönigung: Es war ein Prozess. Manche Menschen umarmen Neues, andere reagieren zurückhaltend. In seiner Praxis gab es eine Helferin, die das Zimmer verließ, sobald das Navigationssystem hereingebracht wurde. Es gebe eben technikaffine und weniger affine Menschen – und das gelte für Behandler genauso wie für das Team.
Inzwischen sei der Schritt in die digitale Implantologie im Team sehr gut angenommen. Alle begrüßten die Entwicklung, weil sie merkten, dass sie das Leben der Patienten erleichtert – und irgendwann auch das eigene. Von null auf hundert gehe es dabei allerdings nicht: Es gebe eine gewisse Lernkurve, und die gelte ausdrücklich auch für die Helferinnen. Neues löse zudem nicht immer sofort Begeisterung aus; sobald ein Werkzeug aber im Workflow angekommen sei, verstehe das Team seinen Nutzen.
Einbindung: vom Zuschauen zum Mitbehandeln
Der Schlüssel liegt für den Behandler in der konsequenten Einbindung. Sein Team ist in die gesamte Behandlung involviert: Es beginnt bei den Abdrücken, die selbstverständlich das Team übernimmt. Während der Operation mit dem Falcon- oder dem Navident-System sind die Mitarbeiterinnen unmittelbar eingebunden, denn der Chirurg arbeitet steril und kann nicht alles anfassen – das Team muss mit den Systemen daher ebenso vertraut sein wie er selbst.
Auch jenseits des Eingriffs übernehmen die Mitarbeiterinnen echte Aufgaben: Sie bedienen den 3D-Drucker – das eigenständige Verschönern der gedruckten Zähne mache ihnen sichtlich Freude – und arbeiten mit der Photogrammetrie: installieren, senden, alles über die Plattform der Praxis abwickeln. So werden sie, wie es im Podcast heißt, zu richtigen Mitbehandlern und steigen selbst in die digitale Welt ein. Am Ende sitzen sie mit am Behandlungsstuhl und sehen ein Ergebnis, an dem sie selbst mitgewirkt haben – ein enormer Mehrwert, weil sie dadurch wirklich Teil der Behandlung geworden sind.
Der Gastgeber der Episode ergänzt das mit einem Bild aus dem Handwerk: Wer am Fließband immer nur den Knopf an die Schublade montiert, erlebt seine Arbeit anders als der Tischler, der den ganzen Schrank baut und am Ende das fertige Möbelstück vor sich sieht. Werkzeuge und Prozesse, die Mitarbeitern mehr Verantwortung und tieferen Einblick geben, wirken damit auch als wertschätzendes Element – eine Einschätzung, der der Implantologe zustimmt.
Eine feste Bezugsperson ab der Beratung
Ein Baustein geht über die Technik hinaus: In der Praxis des Implantologen bekommt jeder Patient eine Helferin zur Seite gestellt, die bereits bei der Beratung dabei ist und den Patienten durch den gesamten Behandlungsweg begleitet. Dadurch entstehe ein besonderer Draht zwischen Team und Patienten. Der Behandler vermutet darin auch einen Grund für die hohe Akzeptanz der digitalen Verfahren im Team: Die Patienten seien glücklicher, die Behandlung gehe schneller und verursache weniger Schmerzen – und das Team erlebe diese Wirkung unmittelbar mit.
Wirkung auf das Teamgefüge
Auf die Frage, ob die Umstellung Mitarbeiter gekostet habe, antwortet der Implantologe klar: Nein – das Team sei super stabil. Er selbst versuche konstant, seinen Workflow und seine Arbeit zu verbessern, und sei glücklich, wenn er besser werden könne. Das Team wiederum sehe, wie Patienten in weniger Etappen und kürzerer Zeit ein neues Lächeln erhalten, und erlebe die Dankbarkeit der Patienten direkt.
Das Fazit aus dem Gespräch: Die Einführung digitaler Implantologie ist immer auch ein Veränderungsprozess im Team. Wer Lernkurven einplant, Widerstände ernst nimmt und Mitarbeiterinnen vom Abdruck bis zum 3D-Druck echte Aufgaben überträgt, gewinnt keine Zuschauer, sondern Mitbehandler – und damit ein stabiles, zufriedenes Team.